“ kooom in meinen gaaarten, wo wir einander erwaaarten “
so singt ein bischen schwülstig lys assia, und man spurt wilde glut im deutschen schlager berserkern, bohren und glimmen. Heimliche verbotene lüste;
ahhh, der garten; das paradies! Wo sich selbst irdische laster und leiden zurückverwandeln lassen in selbstvergessene lust; denn die schönheit des garten führt zur schönheit des zustandes der selbstvergessenheit, ein schritt zu auf das paradies.
Nirgendwo wandeln menschen so friedlich und zeitlupenartig durch raum und zeit, wie im botanischen garten. Im zoo wird herumgeschrien und geworfen, angeglotzt, an scheiben geklopft und eis gegessen; hier sitzen die menschen in grüppchen auf bänken oder in pavillions, fast zierlich, wie in mahler´s lied von der erde (mitten in dem kleinen teiche steht ein pavillion aus grünem und aus weissem porzellan…). es ist so kann man sagen eine eher stille ekstase.
In totale verzückung versetzt mich auch das geräusch eines rasensprengers im sommer; oder wasser sprüht aus einem gartenschlauch auf grossblättrige pflanzen, füh am morgen und abends, nach der hitze des tages. Der feuchte duft der luft und das plätschern des wassers auf die grünen glatten flächen der blätter.
Die japaner geraten in ekstase beim anblick von blühenden kirschbäumen, und ich auch. Wohl weil ich als baby oft unter einen kirschbaum gesetzt worden bin, und die blühten blätter fielen auf mich, wie ein sanftes überdimensionales duftendes zeitlupenschneegestöber.
Es gibt viele gärten; Es gibt gärten der lust, die vom aki kino am hauptbahnhof, liebespaare unter blühenden bäumen, zerwühlte betten; es gibt gärten der einsamkeit, des schmerzes, der traurigkeit, bizarre gärten; es gibt steingärten, felsengärten, die blühen wenn abends die sonne auf ihnen verglüht; steinblumen hab ich gesehen in Marseille am meer; es gibt die hängenden gärten, geheime gärten, märchengärten, voller duftender blumen in denen einen eine alte freundliche frau kämmt und man alles vergisst. Es gibt menschen unter blühenden bäumen in Bremen im frühling, an der mühle, die auf einmal anfangen zu springen, und zu tanzen, unter dem grossen blütendach. Es gibt riesige tulpenfelder, die rosengärten der traurigen Josephine Bonaparte; es gibt biergärten und die bedienungen mit ihren blumenbesteckten brustgärten. Es gibt kindergärten und kleingartenkolonien; bakterienkolonien (mit den kleinen gärtnern karies und baktus); es gibt die meeresgärten des Poseidon; und hausgärten, gemüsegärten,heil-, und kräutergärten und im haus, eisblumen an den fenstern und versteckte paradiese in tapetenmustern; die tomatenpflanzen von Manuela riva, die sie, selbst sehr dick und schön und fröhlich, in einem babydoll, im achten stock über einer schnellstrasse immer goss und besprach. Danach gab es immer nudeln in fett, und die tomaten gediehen prächtig, und wir auch und es war einer meiner garten eden.
Oder fast schon nirwana, im garten auf der wiese liegen, in den himmel blicken, ein Frisch aus der erde gezogenes radieschen dabei essen, und einfach daliegen. Eine freundin von mir sagt das war die schönste zeit in ihrem leben, als sie als küchenhilfe gearbeitet hat; da war ein kleiner garten dahinter, in den sie sich oft gelegt , auf die wiese, in den himmel gesehen und ein bischen gehantelt hat, dabei.
Wieviele gärten mag es geben, wieviele paradiese?
Selbst der tod hat seinen garten, wo er sich selbst vergessen kann, vielleicht einen bizarren garten, windspiele aus menschenknochen, oder vielleicht züchtet er ja auch rosen, apfelbäume, oder löwenmäulchen.
Gärten, das sind unsere letzten paradiese, und jeder kann seinen garten finden, oder sogar mehrere, er muss nur die pforte finden. Vielleicht ist die pforte ja der schmerz, und endlich dahinter der garten, vielleicht ist der garten aber auch der schmerz selber, veilleicht ist es das bett eines geliebten, eine ecke im parkhaus, eine eigenartig verkommene speisekammer, ein bizarr verschimmelter jogurt, oder auch nur eine hand, nasse ponys im regen, oder 3 radieschen, die man sät, beobachtet , und dann auf einer wiese liegend isst, oder bei offenem fenster an einer durchgangsstrasse; oder es isst der geruch von benzin an einer tankstelle oder erde unter den fingernägeln.
Ich denke jeder kann seinen garten finden, man öffnet eine kleine quietschende gartentür, und schon ist man da.
Hurrahurra
Wir stehen vor einem feld
Der endivie grünt, der kohl steht gut
Ich küsse dich und du küsst mich
Ein hase winkt
Ich liebe dich
Was kümmert uns die welt.
Ein maulwurf kocht ein tässchen tee,
Ich bin so froh wenn ich dich seh!
Hurrahurra
Wir stehen vor einem feld
Und ich weiss wo du bist, beginnt die welt
Der tod ist 1
Und wir sind 2
Und die ewigkeit beginnt bei 3
Und da wo du bist beginnt die welt
Wer niemand hat, der fällt und fällt
Hurra hurra
Wir stehen vor einem feld
Die welt ist ein garten,
Und mein garten ist die welt
Kindergarten
Bremer Garten
Berliner Garten